Bildwelt Ruhrtiennale 2023

FOTOGRAFIE

Plakatmotive (6)
BIildstrecke mit 33 Fotos (Festivalkatalog)
Im Rahmen der Ruhrtriennale 2023

Konzept, Realisation und Fotos: Michael Loeken, Ulrike Franke




Für die Ruhrtriennale 2023 hat das Filmkollektiv loekenfranke eine ganz eigene Bildwelt geschaffen und sich dafür auf eine dokumentarische Reise mit Birdwatchern im Ruhrgebiet gemacht. Die Beobachtung der Vögel weckt Erinnerungen in den Menschen und lässt sie über ihre eigene Situation nachdenken, doch während die Menschen die Vögel beobachten, sind sie eigentlich auf der Suche nach etwas ganz anderem.

Die entstandenen Bilder bilden die Grundlage für die gesamte Festivalkommunikation. Mit einer umfangreichen Bildstrecke wird die künstlerische Arbeit darüber hinaus auch im Katalog zur Ruhrtriennale 2023 erscheinen.

Text: Ruhrtriennale / Judith Gerstenberg (Auszug)


KATALOG

2023  — Ruhrtriennale (Festival)


PICTS


TEXT

2023 nun baten wir das Dokumentarfilmduo loekenfranke, das wie kein anderes sein Auge geschärft hat für den Strukturwandel und seine Folgen, mit der ihm eigenen Bildsprache die gegenwärtige Verfasstheit des „Reviers“ einzufangen. Entstanden sind Bilder von geradezu mythischer Kraft.

Wie in weit entfernter Zeit, als Menschen Orientierung am Himmel suchten, Auguren aus der Formation des Vogelflugs den Willen der Götter herauslasen, erkennen wir auf den Bildern kleine Menschentrauben unterschiedlicher Altersgruppen, bewaffnet mit Ferngläsern und Spektiven, verloren in einer Naturlandschaft, den Blick gebannt in eine Richtung gewandt. Sie sind in Erwartung. Offenbar versuchen sie in der Ferne etwas zu erhaschen. Im Hintergrund ist die menschliche Ordnung noch sichtbar, aber sie ist nicht mehr bestimmend. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit auf etwas, mit dem eine Verbindung aufgenommen werden will, auf etwas, das sich der umstandslosen Verfügbarkeit entzieht, auf etwas, das – trotz allem – geblieben ist. Oder zurückgekehrt?

Auffällig ist das Licht, das die Jahres- oder Tageszeit vorgegeben hat, ein Licht, in dem keine Dauer liegt, das nicht länger währt als jener flüchtige Moment, der das Versprechen bereithält, dass die Kontaktaufnahme, der contact-call, zu diesem Unverfügbaren gelingen könnte – ist es doch ein Moment, der dem werktätigen Zeitmaß enthoben ist.  

Schon seit vielen Jahren porträtiert das Duo in seinen Filmen gesellschaftliche Transformations-prozesse, die Verwandlung der Landschaften, das sich ändernde Verhältnis von Kultur und Natur, die Rolle des Menschen in all dem.

Nicht zufällig fällt diese populärer werdende Obsession der Vogelbeobachtung in unsere katastrophisch erfahrene Gegenwart. So erklärt die Literaturwissenschaftlerin Tanja van Hoorn: „Vögel sind in auffälliger Weise ein die Natur-Kulturgrenzen überschreitender, selbstreflexiver Spiegel, eine epistemische Figur, die im Zeichen der Verunsicherung und kritischen Überprüfung der eigenen Fähigkeiten aufgerufen wird.“

Die Vogelbeobachtung erzählt von dem Wissen, dass das Ausbleiben oder Vorkommen anderer Spezies über unser Überleben entscheiden wird – und auch darüber, dass es andere Ordnungen gibt als die menschengemachten. Dass sie gleichzeitig zur Bildung und Einübung ästhetischer Wahrnehmung befähigt, rückt sie zu den Künsten in zärtliche Nähe.

Text: Ruhrtriennale / Judith Gerstenberg (Auszug)


CREDITS

Bildstrecke Ruhrtriennale 2023

FOTOGRAFIE

2023

Plakatmotive (6)
BIildstrecke mit 33 Fotos (Festivalkatalog)
Im Rahmen der Ruhrtriennale 2023



Konzept, Realisation und Fotos: Michael Loeken, Ulrike Franke
Dramaturgie:
Judith Gerstenberg
Colourgrading:
Thomas Haselau (Staudt Lithographie Bochum), Ole-Kristian Heyer

Dank an: Thomas Griesohn-Pflieger (Birdingtours), Tobias Rautenberg, Patrick Kretz, Uwe Frey, Max Huemer-Uffermann, Hermine Kittsteiner, Stefan Mücke, Verena Niehuis, Bernd Oehler, Danial Hutter, Sophia Hutter, Theodor, Alvar, Anabel Putz, Antje Schlieper, Kirsten Schlimm, Thies Wiechert, Hannah Kurau, Renate Zinke, Bettina Grosse, Jürgen Mauritz, Mischa Leinkauf, Christa Marek, Sabine Hartmann, Jörg Adams, Leonard Putz